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Kooperationsmöglichkeiten für ausländische Investoren im Bereich der neuen Energie-Fahrzeuge gemäß chinesischer Industriepolitik

Kooperationsmöglichkeiten für ausländische Investoren im Bereich der neuen Energie-Fahrzeuge gemäß chinesischer Industriepolitik

Sehr geehrte Investoren und geschätzte Leser, die Sie den chinesischen Markt im Blick haben. Wenn Sie in den letzten Jahren die globale Automobilindustrie beobachtet haben, dann ist Ihnen sicherlich ein Phänomen aufgefallen: China ist nicht nur der weltweit größte Absatzmarkt für Autos geworden, sondern hat sich mit atemberaubendem Tempo auch zum Innovationsführer und Produktionszentrum für Neue-Energie-Fahrzeuge (NEV) entwickelt. Hinter diesem "chinesischen Tempo" steht eine klare, langfristige und entschlossene Industriepolitik, die den Rahmen für eine der spannendsten wirtschaftlichen Transformationen unserer Zeit setzt. Viele ausländische Investoren betrachten diesen Markt mit einer Mischung aus Faszination und Respekt – die Chancen sind enorm, aber die Spielregeln scheinen komplex.

An dieser Stelle möchte ich, Liu, mit meiner mehr als 25-jährigen Erfahrung in der Beratung und administrativen Begleitung internationaler Unternehmen in China, Ihnen eine einführende Landkarte an die Hand geben. In meiner Zeit bei der Jiaxi Steuerberatungsfirma habe ich unzählige Projekte begleitet, von der ersten Marktrecherche bis zur operativen Umsetzung. Ich erinnere mich noch gut an einen deutschen Mittelständler, Hersteller von hochpräzisen Leichtbauteilen, der vor fünf Jahren zögernd fragte: "Herr Liu, lohnt sich das überhaupt für uns? Das ist doch alles nur Subventionsblase." Heute ist sein Joint Venture in Changshu ein profitabler Zulieferer für drei große chinesische NEV-Hersteller. Die Politik hat den Weg geebnet, aber das Gehen müssen die Unternehmen selbst. Dieser Artikel soll Ihnen zeigen, wo genau diese Wege heute liegen und welche Form der Kooperation zu Ihrem Geschäftsmodell passen könnte.

Joint Ventures und Eigenkapital-Lockerung

Das vielleicht bekannteste Instrument der chinesischen Automobilpolitik war lange die 50:50-Joint-Venture-Pflicht für ausländische Hersteller. Diese Regelung hat sich grundlegend gewandelt. Seit 2018 wurden die Beschränkungen für ausländische Beteiligungen bei speziellen NEV-Herstellern schrittweise vollständig aufgehoben. Das bedeutet: Sie können heute ein vollständig eigenständiges, zu 100% in ausländischem Besitz befindliches Unternehmen (Wholly Foreign-Owned Enterprise, WFOE) gründen, um NEVs in China zu produzieren. Tesla in Shanghai war hier der bahnbrechende Vorreiter.

Diese Liberalisierung ist jedoch kein Freibrief für alle. Sie signalisiert vielmehr einen strategischen Schwenk der Politik: Statt Technologie durch Zwangspartnerschaften zu transferieren, setzt China nun auf den "Wettbewerbseffekt". Man möchte die etablierten heimischen Champions wie BYD, NIO oder Xpeng durch den direkten Wettbewerb mit globalen Playern wie Tesla stärken und so die Innovationsdynamik des gesamten Ökosystems erhöhen. Für Sie als Investor eröffnet dies zwei Hauptpfade: den direkten Markteintritt mit einer WFOE oder die freiwillige Bildung eines strategischen Joint Ventures mit einem chinesischen Partner, bei dem Sie die Mehrheit halten können.

Die Entscheidung zwischen WFOE und JV ist eine grundlegende strategische Weichenstellung. Eine WFOE gibt Ihnen maximale Kontrolle über Technologie, Betrieb und Markenauftritt. Sie eignet sich ideal für Unternehmen, die über eine starke, differenzierende eigene Technologieplattform verfügen und diese schützen möchten. Ein Joint Venture hingegen, obwohl nicht mehr verpflichtend, bleibt ein mächtiges Instrument für den Marktzugang. Ein lokaler Partner bringt tiefes Marktverständnis, etablierte Lieferketten, regulatorisches Know-how und oft auch kritischen Zugang zu Vertriebskanälen oder lokalen Batterieherstellern mit. In der Praxis erlebe ich oft, dass sich Unternehmen für eine hybride Struktur entscheiden: eine Holding-WFOE für Forschung, Entwicklung und strategische Steuerung, kombiniert mit operativen JVs in bestimmten Bereichen wie Produktion oder Vertrieb.

Forschung und Entwicklung lokal fördern

Die chinesische Industriepolitik fördert nicht nur die Endmontage, sondern zielt gezielt darauf ab, China zu einem globalen Zentrum für NEV-Forschung und Entwicklung zu machen. Die Regierung bietet substanzielle steuerliche Anreize für F&E-Aktivitäten, darunter Super-Deduktionen für F&E-Aufwendungen, bei denen bis zu 200% der Kosten steuermindernd geltend gemacht werden können. Zudem gibt es direkte Zuschüsse und günstige Kredite für Projekte in Schlüsseltechnologien wie Festkörperbatterien, leistungselektronische Systeme oder autonomes Fahren.

Für ausländische Investoren liegt hier eine der reizvollsten Kooperationsmöglichkeiten: die Einrichtung von F&E-Zentren in China. Dies geht weit über reine Anpassungen für den lokalen Markt („Localization“) hinaus. Der Vorteil ist der Zugang zu einem einzigartigen Talentpool. Chinas Universitäten produzieren eine enorme Anzahl hochqualifizierter Ingenieure in den relevanten Disziplinen, und das Ökosystem in Clustern wie dem Yangtze River Delta (Shanghai, Suzhou, Hangzhou) oder Greater Beijing ist dicht und dynamisch. Kooperationen mit chinesischen Universitäten oder Forschungsinstituten wie dem CATL (Contemporary Amperex Technology Co. Limited) sind ausdrücklich erwünscht und werden gefördert.

Ein praktisches Beispiel aus meiner Arbeit: Ein europäischer Zulieferer für Brennstoffzellen wollte seine Stack-Technologie weiterentwickeln. Statt alles in Europa zu machen, gründeten sie ein F&E-Team in Wuhan, angezogen von den dortigen Kompetenzen in Materialwissenschaften und den Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität. Durch eine geschickte Strukturierung konnten sie die chinesischen Fördermittel nutzen, ohne ihren geistigen Eigentumskern zu gefährden. Die Devise lautet hier: „Forschung globalisieren, indem man lokale Exzellenz integriert.“ Die Herausforderung liegt oft in der internen Kommunikation mit dem Stammhaus, das die Kapazitäten vor Ort manchmal unterschätzt.

In die Lieferkette investieren

Das Herzstück jedes Elektroautos ist die Batterie, und China dominiert den globalen Markt für Batteriezellen und -materialien. Unternehmen wie CATL, BYD oder CALB sind globale Giganten. Die Politik fördert aktiv eine vollständige, widerstandsfähige und technologisch führende Lieferkette innerhalb Chinas. Für ausländische Investoren ergeben sich hier goldene Möglichkeiten, nicht nur als Zulieferer für internationale OEMs, sondern direkt für den boomenden chinesischen Markt.

Kooperationsmöglichkeiten erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette: von der Rohstoffverarbeitung (Lithium, Kobalt, Graphit) über die Produktion von Vorstufenmaterialien (Kathoden- und Anodenmaterialien, Separatoren) bis hin zur Herstellung von hochpräzisen Komponenten wie Leistungselektronik, E-Motoren oder Leichtbaustrukturen. Der Markt sucht händeringend nach hochwertigen, zuverlässigen und innovativen Lösungen. Ein österreichischer Kunde von uns, Spezialist für Aluminium-Druckguss für E-Motor-Gehäuse, hat seinen Markteintritt genau auf diesen Trend abgestimmt. Er fand einen chinesischen Partner für die Produktion vor Ort, behielt aber die Entwicklung der Gussformen und Prozesse in Europa. So kombinierten sie deutsche Ingenieurskunst mit chinesischer Fertigungsgeschwindigkeit und -skalierung.

Ein kritischer Punkt, den ich immer betone, ist die „Dual Circulation“-Strategie der chinesischen Regierung. Sie zielt darauf ab, die Binnennachfrage („innere Zirkulation“) zu stärken und gleichzeitig die internationale Verflechtung („äußere Zirkulation“) auf einem hohen Niveau zu halten. Für Sie als Zulieferer bedeutet das: Ein erfolgreicher Einstieg in die chinesische Lieferkette positioniert Sie ideal, um von dort aus auch den globalen Markt zu bedienen. Die Produktion in China kann zu einem Sprungbrett für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum werden. Die administrative Hürde hier ist oft die Zertifizierung und die Einhaltung der chinesischen Industriestandards (GB-Standards), ein Prozess, der frühzeitig und professionell geplant werden muss.

Nutzung von Sonderzonen und Clustern

Chinas industrielle Entwicklung folgt oft dem Modell der Clusterbildung. Die Regierung identifiziert Schlüsselregionen und stattet sie mit besonderen Politiken, Infrastruktur und Verwaltungsvereinfachungen aus. Für die NEV-Branche sind mehrere solcher Cluster entstanden. Der bekannteste ist das Shanghai-Lingang-Gebiet, wo Tesla sein Gigafactory errichtete. Weitere bedeutende Cluster befinden sich in Hefei („China’s EV Capital“), Shenzhen (Heimat von BYD), Guangzhou und Changzhou.

Die Vorteile einer Ansiedlung in diesen Clustern sind vielfältig. Neben den offensichtlichen steuerlichen Vergünstigungen (z.B. reduzierte Körperschaftssteuersätze für bestimmte Jahre) profitieren Unternehmen von einer konzentrierten Lieferantenbasis, kurzen Wegen zu potenziellen Partnern und Kunden, sowie einem spezialisierten Talentpool. Die lokalen Verwaltungen in diesen Zonen sind oft äußerst investorenfreundlich und können Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen – ein nicht zu unterschätzender Faktor in einem dynamischen Markt.

In meiner Praxis erlebe ich, dass viele Investoren den Fehler machen, sich nur auf die nationalen Politiken zu konzentrieren. Die lokalen Politiken auf Provinz- und Stadtebene sind jedoch häufig der entscheidende Hebel. Eine Stadt, die sich als NEV-Zentrum profilieren möchte, kann zusätzliche Cash-Grants, subventionierte Industriepacht oder Unterstützung bei der Rekrutierung von Schlüsselpersonal bieten. Ein Tipp von mir: Lassen Sie sich vor der Standortwahl nicht nur von der Zentralregierung in Beijing, sondern unbedingt auch von den Wirtschaftsförderungsämtern der in Frage kommenden Städte beraten. Die Konditionen können erheblich variieren. Einmal halfen wir einem Unternehmen bei der Verhandlung eines „Package-Deals“ in einer Sonderzone, der neben Steuervorteilen auch die kostenlose Bereitstellung von Land für eine Teststrecke umfasste.

Fokus auf Nachhaltigkeit und Recycling

Die chinesische Politik denkt den Lebenszyklus von NEVs ganzheitlich. Mit dem rasanten Wachstum des Marktes rückt das Thema Second-Life von Batterien und Recycling zunehmend in den Fokus. Vorgaben zur Rücknahme und Verwertung von Antriebsbatterien werden verschärft. Dies eröffnet ein komplett neues Feld für Kooperationen und Investitionen.

Kooperationsmöglichkeiten für ausländische Investoren im Bereich der neuen Energie-Fahrzeuge gemäß chinesischer Industriepolitik

Ausländische Unternehmen mit Expertise in Batteriediagnostik, Demontage, Wiederaufbereitung oder im Recycling wertvoller Rohstoffe (Lithium, Nickel, Kobalt) finden hier einen vorregulierten und bald riesigen Markt vor. Die Kooperationsmodelle können vielfältig sein: Technologielizenzierung an chinesische Recyclingunternehmen, Gründung von Joint Ventures für den Aufbau von Rücknahmelogistik und -anlagen, oder die Entwicklung von Geschäftsmodellen für die Second-Life-Nutzung von Batterien in stationären Speichersystemen.

Dieser Bereich ist noch relativ neu und in der Entwicklung, was sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Die Regulierung ist im Fluss, und Standards werden erst etabliert. Für strategische Investoren, die langfristig denken, bietet dies jedoch die Möglichkeit, sich frühzeitig als Pionier und Standard-Setter zu positionieren. Die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern aus der Abfallwirtschaft oder der Energiespeicherbranche kann den Marktzugang erheblich beschleunigen. Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have mehr, sondern wird zum integralen Bestandteil des Geschäftsmodells in der chinesischen NEV-Branche.

Finanzierung und Kapitalmärkte nutzen

Die Finanzierung von NEV-Projekten in China muss nicht ausschließlich aus dem Heimatland des Investors kommen. Das chinesische Finanzsystem bietet spezifische Wege. Neben den bereits erwähnten staatlichen Fördermitteln und günstigen Krediten von policy banks ist der Zugang zu Chinas Kapitalmärkten eine attraktive Option. Viele chinesische NEV-Hersteller sind an der Hongkonger oder sogar der technologielastigen STAR Market in Shanghai notiert.

Für ausländische Investoren kann die Kooperation mit oder Beteiligung an einem chinesischen Partner, der bereits börsennotiert ist oder einen Börsengang plant, eine interessante Exit- oder Skalierungsstrategie sein. Darüber hinaus gibt es eine wachsende Zahl von Private-Equity-Fonds und Venture-Capital-Gesellschaften in China, die gezielt in NEV-Technologien investieren. Eine strategische Finanzierungsrunde mit einem solchen Investor kann nicht nur Kapital, sondern auch wertvolle lokale Netzwerke und Marktkenntnisse bringen.

Ein komplexes, aber lohnendes Feld ist die Nutzung von Green Finance-Instrumenten. China entwickelt seinen Markt für grüne Anleihen und Nachhaltigkeitskredite rasant weiter. Projekte, die eindeutig zur Dekarbonisierung des Verkehrs beitragen, können unter Umständen zu besonders attraktiven Konditionen finanziert werden. Die Herausforderung liegt in der aufwändigen Zertifizierung und Berichterstattung („Green Taxonomy“). Hier ist professionelle Beratung unerlässlich, um den administrativen Aufwand in Grenzen zu halten und die Vorteile voll auszuschöpfen.

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die chinesische Industriepolitik für Neue-Energie-Fahrzeuge ein komplexes, aber äußerst chancenreiches Spielfeld für ausländische Investoren geschaffen hat. Die Liberalisierung bei den Eigentumsstrukturen, die gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung, die Dominanz in der Lieferkette, die attraktiven Cluster, der wachsende Fokus auf Kreislaufwirtschaft und die vielfältigen Finanzierungsoptionen bilden ein Paket, das weltweit einzigartig ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht im Abwarten, sondern im aktiven und gut informierten Gestalten.

Die größte Herausforderung, die ich in meiner langjährigen Praxis sehe, ist oft nicht die Politik selbst, sondern die Agilität und Lernbereitschaft des ausländischen Investors. Der chinesische NEV-Markt entwickelt sich in "Internet-Geschwindigkeit". Entscheidungsprozesse, die in europäischen Konzernen ein Jahr dauern, sind hier schlichtweg zu langsam. Erfolgreich sind diejenigen, die ihren chinesischen Operationen echte Entscheidungsautonomie geben, die lokale Partnerschaften auf Augenhöhe suchen und die bereit sind, von der Dynamik des Marktes zu lernen – auch wenn sie manchmal ungewohnt ist.

Meine persönliche vorausschauende Einsicht: Der nächste große Schwerpunkt der Politik wird die Integration der NEVs in das intelligente Stromnetz (Vehicle-to-Grid, V2G) und die Infrastruktur für autonomes Fahren sein. Wer heute in Grundlagentechnologien für diese Bereiche investiert oder entsprechende Kooperationen eingeht, positioniert sich für die nächste Welle des Wachstums. China wird seinen Kurs, der weltweit führende Markt und Innovationsort für saubere und intelligente Mobilität zu sein, unbeirrt fortsetzen. Für ausländische Investoren gilt: Wer mitgeht, hat die Chance, nicht nur vom chinesischen, sondern vom globalen Wandel zu profitieren.

Einschätzung der Jiaxi Steuerberatung

Aus unserer langjährigen Praxis bei der Jiaxi Steuerberatungsfirma sehen wir das Feld der NEV-Kooperationen in China als ein strategisches Investment mit klarem langfristigem Horizont, das jedoch ein präzises und professionelles Setup erfordert. Die beschriebenen Kooperationsmöglichkeiten sind real und werden von einer konsistenten Politik getragen. Der kritische Erfolgsfaktor liegt weniger im "Ob", sondern im "Wie". Unsere Erfahr

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