Vorab-Check: Die kritische Projektbewertung
Bevor auch nur der erste Antrag gestellt wird, steht die vielleicht wichtigste Phase: die interne und externe Bewertung Ihres Investitionsvorhabens. Das ist kein bürokratischer Schritt, sondern eine strategische Weichenstellung. Viele Investoren machen den Fehler, direkt in die Antragstellung zu springen, ohne zu prüfen, ob ihr Vorhaben überhaupt in die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Richtlinien Chinas passt. Hier kommt der sogenannte "Negative List" Mechanismus ins Spiel – eine dynamisch aktualisierte Liste, die Branchen und Aktivitäten auflistet, die für ausländische Investitionen eingeschränkt oder verboten sind. Meine Erfahrung zeigt: Eine gründliche Analyse dieser Liste sowie der jeweiligen regionalen Förderkataloge ist unerlässlich. Ich erinnere mich an einen deutschen Maschinenbauer, der eine Produktionsstätte für hochpräzise Komponenten errichten wollte. Erst nach unserer Prüfung stellten wir fest, dass sein spezifisches Produktsegment in der Zielprovinz besonders gefördert wurde, was später zu Steuervorteilen und schnelleren Genehmigungen führte. Dieser Schritt dauert in der Regel zwei bis vier Wochen, abhängig von der Branchenkomplexität. Investieren Sie hier Zeit, um später Frust zu vermeiden.
Parallel dazu müssen Sie die Unternehmensstruktur festlegen: Wird es ein Wholly Foreign-Owned Enterprise (WFOE), ein Joint Venture, oder eine Repräsentanz? Jede Form hat gravierende Auswirkungen auf den Genehmigungsumfang, die Kapitalanforderungen und die steuerliche Behandlung. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Ein Joint Venture kann in manchen restriktiven Branchen der einzige Zugangsweg sein, bringt aber die Herausforderung der Partnerauswahl mit sich. Ein WFOE bietet maximale Kontrolle, erfordert aber einen detaillierten Business Plan, der die Behörden von der Nachhaltigkeit überzeugt. In dieser Phase sollten auch erste Gespräche mit lokalen Wirtschaftsförderern geführt werden – deren Einschätzung ist oft Gold wert. Insgesamt ist diese Vorbereitungsphase die Basis. Wer hier schludert, baut auf Sand.
Name reservieren und Business Plan
Klingt banal, ist aber der erste offizielle Akt: die Reservierung Ihres künftigen Firmennamens bei der State Administration for Market Regulation (SAMR) oder deren lokalen Büros. Der Name muss nicht nur einzigartig sein, sondern auch den chinesischen Regeln entsprechen (z.B. "Region + Firmenkernname + Industrie + Organisationsform"). Hier geht es oft hin und her. Einmal musste ich für einen Schweizer Kunden fünf Namensvarianten einreichen, bis eine durchging, weil scheinbar harmlose Kombinationen bereits geschützt waren. Planen Sie für diesen Schritt etwa eine Woche ein, aber seien Sie auf Verzögerungen gefasst.
Der eigentliche Brocken ist jedoch die Erstellung eines überzeugenden Business Plans und der Feasibility Study. Dies ist kein internes Dokument, sondern ein zentrales Überzeugungsinstrument für die Behörden. Er muss detailliert die Marktchancen, die Technologie, die Finanzplanung (inklusive detaillierter Kapitaldeckungsnachweise), die organisatorische Struktur und die erwarteten sozialökonomischen Beiträge zum Standort (Steuern, Arbeitsplätze) darlegen. Besonders die Finanzplanung wird mit Adleraugen geprüft. Die Behörden wollen sichergehen, dass das Unternehmen nicht nach sechs Monaten illiquid ist. Ein solider, realistischer Plan ist hier entscheidend. Aus meiner Praxis kann ich sagen: Ein zu optimistischer Plan weckt Misstrauen, ein zu vorsichtiger lässt das Projekt unwichtig erscheinen. Die Erstellung und Feinabstimmung dieses Dokuments kann leicht drei bis sechs Wochen in Anspruch nehmen.
Der Kernantrag: Projektgenehmigung und Geschäftslizenz
Jetzt wird es ernst. Mit den vorbereiteten Dokumenten reichen Sie den Antrag auf Projektgenehmigung (Approval Certificate oder Filing Receipt, je nach Branche) ein. Seit den großen Deregulierungen der letzten Jahre erfolgt für die meisten Branchen nur noch eine einfache Online-Registrierung (Filing), während für sensible Bereiche (etwa im nationalen Sicherheitsbereich) weiterhin eine förmliche Genehmigung (Approval) durch die National Development and Reform Commission (NDRC) oder das Handelsministerium (MOFCOM) nötig ist. Die Unterscheidung ist kritisch und bestimmt den Zeitrahmen maßgeblich.
Für das Filing-Verfahren erhalten Sie oft innerhalb von 3-5 Werktagen eine Bescheinigung. Das Approval-Verfahren kann dagegen mehrere Wochen bis zu zwei Monate dauern und erfordert intensive Kommunikation und möglicherweise Nachbesserungen der Unterlagen. Anschließend folgt der Antrag auf die Business License bei der SAMR. Dies ist die Geburtsurkunde Ihres Unternehmens. Hier werden alle gesammelten Genehmigungen und der geprüfte Business Plan vorgelegt. Bei vollständigen Unterlagen kann die Lizenz innerhalb von 5-10 Werktagen erteilt werden. Dieser Schritt markiert die offizielle Existenz Ihres Unternehmens als juristische Person in China. Ein Meilenstein, der oft gefeiert wird – und das zu Recht.
Nach der Lizenz: Der administrative Marathon beginnt
Die Business License in der Hand zu haben, heißt leider nicht, dass Sie morgen die Türen öffnen können. Jetzt startet das, was ich gerne den "administrativen Marathon" nenne – eine Reihe von Registrierungen und Stempeln, die für den Betrieb zwingend erforderlich sind. Zuerst geht es zur öffentlichen Sicherheitsbehörde, um den offiziellen Firmenstempel (Company Chop) gravieren und registrieren zu lassen. Dieser Stempel hat in China eine hohe rechtliche Bedeutung, vergleichbar mit einer Unterschrift. Seine sichere Aufbewahrung ist extrem wichtig.
Danach folgt die Steuerregistrierung beim State Taxation Administration (STA) Büro. Hier wird Ihr Unternehmen im Steuersystem erfasst, Sie erhalten eine Steuernummer und klären die anwendbaren Steuersätze (Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer etc.). Unmittelbar danach müssen Sie sich bei der Devisenkontrollbehörde (SAFE) registrieren, um Konten für den Kapitaltransfer und Devisengeschäfte einrichten zu können. Parallel dazu laufen die Registrierung bei der Statistikbehörde und die Sozialversicherungs- und Wohnungsfondsregistrierung für künftige Mitarbeiter. Jeder dieser Schritte dauert etwa eine Woche, aber die Abfolge und Koordination ist tricky. Ohne Steuerregistrierung kein Bankkonto, ohne Bankkonto keine Kapitaleinzahlung – eine klassische Henne-Ei-Situation. Gute Planung ist hier alles.
Bankkonto eröffnen und Kapitaleinzahlung
Mit den vorliegenden Registrierungszertifikaten können Sie nun das grundlegende Unternehmensbankkonto (Basic Corporate Account) bei einer chinesischen Bank eröffnen. Die Bankwahl sollte strategisch erfolgen – manche haben mehr Erfahrung mit ausländischen Kunden oder bieten bessere internationale Services. Der Prozess ist aufgrund strenger Anti-Geldwäsche-Prüfungen (Know-Your-Customer, KYC) intensiv geworden. Rechnen Sie mit einem bis zwei Wochen für die Kontoeröffnung.
Nun muss das im Business Plan ausgewiesene Registrierte Kapital eingezahlt werden. Wichtig: Die Zeiten, in denen man unrealistisch hohes Kapital anmelden und nie einzahlen musste, sind vorbei. Die Behörden überwachen die Einzahlungsfristen und -beträge heute viel genauer. Die Einzahlung erfolgt typischerweise in Tranchen, die im Antrag festgelegt wurden. Sobald das Kapital eingegangen ist, muss ein zertifizierter Kapitalprüfungsbericht (Capital Verification Report) von einem lokalen CPA-Büro erstellt und den Behörden vorgelegt werden. Erst damit ist die Kapitalkomponente vollständig abgeschlossen. Dieser gesamte Finanzschritt, von der Kontoeröffnung bis zum verifizierten Report, kann vier bis acht Wochen dauern.
Personal einstellen und Betrieb starten
Mit einer funktionierenden juristischen Entität und Bankverbindung kann der Aufbau des Teams beginnen. Für die Einstellung lokaler Mitarbeiter müssen Arbeitsverträge nach chinesischem Recht geschlossen und bei den Arbeitsbehörden registriert werden. Die Sozialversicherungs- und Wohnungsfondsbeiträge müssen korrekt abgeführt werden – hier lauern oft Compliance-Fallen.
Für die Entsendung ausländischer Mitarbeiter nach China beginnt ein eigenes, anspruchsvolles Verfahren: Die Erteilung der Arbeitserlaubnis und des Arbeitsvisums. Der Arbeitgeber (Ihr neues chinesisches Unternehmen) muss zuerst eine Arbeitserlaubnis für den Expatriate bei den menschlichen Ressourcen und sozialen Sicherheitsbehörden beantragen. Mit dieser kann der Mitarbeiter dann im Heimatland ein Z-Visum beantragen. Nach der Einreise müssen innerhalb enger Fristen eine Gesundheitsuntersuchung, die Registrierung des vorübergehenden Wohnsitzes und schließlich die Ausstellung der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis erfolgen. Dieser Prozess für ausländische Mitarbeiter ist komplex und kann zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Planen Sie dies frühzeitig in Ihrer Personalplanung ein, sonst sitzt Ihr Schlüsselmanager monatelang im Ausland fest.
Laufende Compliance und Jahresabschlüsse
Die Genehmigungen sind erteilt, das Unternehmen läuft – aber die Pflichten gegenüber den Behörden hören nicht auf. Das chinesische System verlangt eine Reihe von laufenden Meldungen und Compliance-Nachweisen. Dazu gehören regelmäßige Steuererklärungen (monatlich/quartalsweise), die jährliche Überprüfung der Geschäftslizenz, die Meldung von etwaigen Änderungen der Unternehmensdaten (Direktoren, Adresse, Kapital) sowie die Erstellung und Einreichung des jährlichen Prüfungsberichts (Annual Audit Report) durch einen zertifizierten Wirtschaftsprüfer.
Viele kleine und mittlere ausländische Unternehmen unterschätzen diesen laufenden Aufwand. Compliance ist kein einmaliger Akt, sondern ein Dauerzustand. Verstöße, auch aus Unwissenheit, können zu Geldstrafen, Behinderungen des Geschäftsbetriebs bis hin zum Zwang zur Schließung führen. Die Einrichtung eines robusten internen Prozesses oder die Beauftragung eines professionellen Dienstleisters (wie uns) für diese laufenden Aufgaben ist keine Luxusausgabe, sondern eine betriebsnotwendige Versicherung. Aus meiner Sicht beginnt hier die eigentliche Integration in den chinesischen Markt: das langfristige, regelkonforme und nachhaltige Wirtschaften.
## Zusammenfassung und Ausblick Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das chinesische Investitionsgenehmigungsverfahren ein hochstrukturierter, mehrstufiger Prozess ist, der von der strategischen Vorbereitung bis zur laufenden Compliance reicht. Der realistischste Gesamtzeitrahmen für ein Standard-WFOE-Projekt liegt, bei reibungslosem Ablauf und professioneller Begleitung, zwischen vier und sieben Monaten bis zur vollen Betriebsbereitschaft. Die Schlüssel zum Erfolg liegen in der gründlichen Vorabprüfung (Negative List, Business Plan), der präzisen Dokumentenerstellung, der strategischen Abfolge der administrativen Schritte und dem Bewusstsein für die laufenden Pflichten. Der Zweck dieses Artikels war es, die oft als "Black Box" wahrgenommene Prozedur zu entmystifizieren und Investoren eine realistische Landkarte an die Hand zu geben. Die Bedeutung eines klaren Verständnisses kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – es ist die Grundlage für eine stabile und erfolgreiche Marktpräsenz. Meine Empfehlung an jeden Investor: Betrachten Sie das Genehmigungsverfahren nicht als lästiges Hindernis, sondern als ersten, strukturierten Test Ihrer Geschäftsidee im chinesischen Kontext. Diejenigen, die ihn ernst nehmen und professionell angehen, starten nicht nur mit einer gültigen Lizenz, sondern auch mit einem vertieften Verständnis des regulatorischen Umfelds, in dem sie künftig agieren werden. In Zukunft werden Digitalisierung und weitere Deregulierungen den Prozess wohl weiter beschleunigen und vereinfachen. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Themen wie Datensicherheit, Umweltauflagen und gesellschaftlicher Verantwortung in den Genehmigungsverfahren zu. Die Fähigkeit, sich auf diese sich wandelnden Prioritäten einzustellen, wird ein weiterer kritischer Erfolgsfaktor sein. ## Einschätzung der Jiaxi Steuerberatung Aus unserer Perspektive bei Jiaxi, mit über einem Jahrzehnt praktischer Begleitung ausländischer Investoren, ist das chinesische Investitionsgenehmigungsverfahren ein beherrschbarer Prozess, der jedoch strategisches Vorgehen und lokales Know-how erfordert. Der größte Fehler ist oft die Unterschätzung der Komplexität und der Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Schritten. Ein scheinbar kleiner Fehler im Business Plan kann Verzögerungen in der Steuerregistrierung nach sich ziehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass eine professionelle, koordinierte Begleitung nicht nur Zeit spart (oft mehrere Wochen bis Monate), sondern vor allem Risiken minimiert und eine solide, compliance-feste Grundlage für den Markteintritt schafft. Der Trend geht klar zu mehr Online-Prozessen und Standardisierung, aber die interpretatorische Lücke zwischen Regel und Praxis bleibt – und hier ist lokale Expertise unersetzlich. Letztlich ist ein reibungsloses Genehmigungsverfahren der erste und wichtigste Baustein für langfristigen Geschäftserfolg in China.